Die Probe
Virginie Bailly
Willem Boel
kuratiert von Roxane Baeyens
Vernissage 08. November 2026
18:00-21:30 Uhr
Ausstellungsdauer
09. Oktober 2026 -15. Jänner 2027
09.-13.11.2026
15:00-18:00 Uhr
Mi-Fr 16.00-18:00
nach Vereinbarung
+43 67761796678
| nach Vereinbarung +43 67761796678 |

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Für Bailly und Boel ist es gerade das Verlangen nach einfachen Lösungen, das hinterfragt werden muss. In einerRealität, die zunehmend von Polarisierung, Beschleunigung und kurzfristigem Denken geprägt ist, wird Komplexität leicht auf etwas Überschaubares reduziert: ein einzelnes Bild, eine Meinung, eine Antwort. Ihre Arbeit bewegt sich in die entgegengesetzte Richtung. Anstatt das Blickfeld einzugrenzen, versuchen beide Künstler, es offen zu halten.
Der Titel „Die Probe“ – die Probe, der Versuch, der Test – verkörpert diese Haltung. Eine Probe ist kein Abschluss. Sie ist ein vorübergehender Zustand, in dem etwas ausprobiert, überdacht, verändert oderaufgegeben werden kann. Scheitern und Ungewissheit sind keine Unterbrechungen des Prozesses, sondern notwendige Bestandteile davon. In diesem Sinn schlägt „Die Probe“ eine künstlerische Haltung vor, die das Nichtwissen als produktivenZustand annimmt.
Diese Spannung zwischen Einfachheit und Komplexität verbindet beide Praktiken. Weder Bailly noch Boel versuchen, die Ängste der Gegenwart in erkennbare Bilder oder einzelne Probleme zu übersetzen, die anschließend gelöst werden könnten. Stattdessen widersetze sich ihre Werke dem Druck, zu schnell zu einer Antwort zu gelangen. Sie schaffen Situationen, in denen unterschiedliche Perspektiven, Widersprüche und Unsicherheiten gleichzeitig präsent bleiben können.
Im Rahmen von „Navigating Angst“ gewinnt diese Weigerung an Bedeutung. Navigieren bedeutet nicht unbedingt, genau zu wissen, wohin man geht. Es kann auch bedeuten, zu lernen, sich durch Unsicherheit zu bewegen und dabei aufmerksam zu bleiben für das, wa auf dem Weg auftaucht. Kunst ist aus dieser Perspektive weniger ein Werkzeug zur Bewältigung von Angst als vielmehr ein Raum, in dem unsere Beziehung zur Unsicherheit neu überdacht werden kann.
„Die Probe“ schlägt daher Offenheit als Gegengewicht zur Angst vor. Gegen das kurzfristige Denken führt sie Dauer und Wiederholung ein. Gegen die Verengung der Perspektive bietet sie Vielfalt. Gegen die Forderung nach sofortiger Klarheit lässt sie Mehrdeutigkeit, Neugier und Staunen zu.
Die Ausstellung bietet keine Landkarte, die aus der Ungewissheit herausführt. Stattdessenladen Bailly und Boel uns ein,eine Weile in ihr zu verweilen: zu proben, zu überdenken, noch einmal hinzuschauen – und vielleicht zu entdecken, dass ein offener Geist an sich schon eine Art der Orientierung ist.
EN
Die Probe, a duo exhibition by Virginie Bailly and Willem Boel, unfolds within the framework of Vienna Art Week’s Navigating Angst, a theme that considers how art can help us confront a world marked by profound uncertainty, ecological crisis and political anxiety without necessarily providing simple resolutions.
For Bailly and Boel, it is precisely the desire for simple solutions that needs to be questioned. In a reality increasingly shaped by polarisation, acceleration and short-term thinking, complexity is easily reduced to something manageable: a single image, an opinion, an answer. Their work moves in the opposite direction. Rather than narrowing the field of vision, both artists seek to keep it open.
The title Die Probe — the rehearsal, the trial, the test — embodies this position. A rehearsa s not a conclusion. It is a temporary state in which something can be attempted, reconsidered, altered or abandoned. Failure and uncertainty are not interruptions of the process but necessary parts of it. In this sense, Die Probe proposes an artistic attitude that embraces not-knowing as a productive condition.
This tension between simplicity and complexity connects both practices. Neither Bailly nor Boel attempts to translate the anxieties of the present into recognisable images or singular problems that might subsequently be solved. Instead, their works resist the pressure to arrive too quickly at an answer. They create situations in which different perspectives contradictions and uncertainties can remain present simultaneously. Within Navigating Angst, this refusal becomes significant. To navigate does not necessaril mean to know exactly where one is going. It can also mean learning to move througuncertainty while remaining attentive to what appears along the way. Art, from this perspective, is less a tool for resolving anxiety than a space in which our relationship to uncertainty can be reconsidered.
Die Probe therefore proposes openness as a counterweight to fear. Against short-term thinking, it introduces duration and repetition. Against the narrowing of perspective, it offers multiplicity.Against the demand for immediate clarity, it allows ambiguity, curiosity and wonder.The exhibition does not offer a map out of uncertainty. Instead, Bailly and Boel invite us to remain within it for a while: to rehearse, to reconsider, to look again — and perhaps to discover that keeping the mind open is itself a way of navigating.
The exhibition is supported by the Flemish Representation in Vienna
and the Government of Flanders

