NATURE I FEELING I FORM
Was wäre wenn Susanne Langer auf Alex Langer träfe?
Kurator: Riccardo Lisi mit Lukas Willmann
Vernissage 03. Feb 2026 18:00 Uhr
Ausstellung 04. Feb - 14. März 2026
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Trotz der extremen Anthropisierung der Umwelt, in der wir leben, sind wir von Geburt an mit der Natur konfrontiert. Wir scheinen sie mit dem zu meistern, was wir gesunden Menschenverstand nennen, aber dieser Verstand ist eigentlich falsch. Die Natur ist voller Geheimnisse – wir nehmen sie unbewusst wahr –, von denen einige atavistisch sind, andere dank wissenschaftlicher Entdeckungen erst kürzlich entstanden sind.
So weiß man heute beispielsweise, dass Naturphänomene, die das Leben auf der Erde ermöglichen, wie die Sauerstoffproduktion durch Pflanzen, auf Quantenbasis stattfinden, und nichts wird vom gesunden Menschenverstand so wenig wahrgenommen wie die Quantenmechanik – man denke beispielsweise an das Phänomen der Entanglement, das spiegelgleiche Verhalten von Elektronenpaaren, die mehr als tausend Kilometer voneinander entfernt sind.
Genau wie in unserer Beziehung zu den von der Kunst geschaffenen Objekten zählt auch in unserer Beziehung zur Natur in erster Linie unsere Wahrnehmung, die grundlegend von der Kultur beeinflusst ist.
Ein weiteres Beispiel: Die Natur präsentiert Formen, die absolut zufällig und chaotisch erscheinen. Denken Sie an die Äste eines Baumes, die Küstenlinie, die Grate eines Berges, die Formen einer Welle.
Dank eines großen Mathematikers mit Dyskalkulie, Mandel’brot, wissen wir seit Jahrzehnten, dass all diese „Muster” einfachen, rekursiven Formeln folgen, die der Theorie der Fraktale
zugrunde liegen. Und in diesen Formeln verbirgt sich ein wesentlicher Teil der Schönheit, die wir in der Natur wahrnehmen, beispielsweise die Schönheit einer Landschaft.
Die Natur birgt vieles, was unsichtbar ist, genau wie die Kunst. Die amerikanische Philosophin Susanne Langer hat sich in ihrem ersten berühmten Essay über Ästhetik, „Feeling and Form“, mit diesem Thema beschäftigt.
Wenn man über die Natur spricht, sollte man immer an Alexander Langer denken, Italiens größten Ökoaktivisten, dessen Vater Wiener war und dessen Muttersprache Deutsch war, der aber leider jung verstorben ist. Hier fragen wir uns, was passiert wäre, wenn sich die beiden Langers – die nicht miteinander verwandt waren und weit voneinander entfernt lebten – getroffen und zusammengearbeitet hätten.
Formen in der Natur wiederentdecken, ein Gefühl pflegen, das zuerst imaginiert und dann als Kunstwerk umgesetzt wird, und schließlich zurückkehren, um eine künstlerische Schönheit in der ursprünglichen Welt wahrzunehmen, zu der wir alle gehören: die Natur, wir Tiere unter anderen, die potenziell auch mit der Pflanzen- und Mineralienwelt kommunizieren können. Dass wir dann alle aus denselben Urelementen bestehen, wie jene Elektronen, die in einer permanenten Verbindung leben, deren Geheimnis dem der großen Kunstwerke tatsächlich nahekommt.
Natur und Form durch Gefühl: Das ist der Schlüssel zum Verständnis der Vorschläge, die in den Ausdrucksformen so vieler Künstler, die eindeutig eine von vielen möglichen Auswahlen darstellen, aufrichtig und spontan wirken. Die Besonderheit ihrer künstlerischen Ausdrucksformen, das Vorschlagen von Werken, in denen ein persönlicher und nicht trivialer Stil erkennbar ist, verbindet sie auch in ihrer Wahl.
Das Projekt Nature | Feeling | Form, konzipiert vom Kurator Riccardo Lisi, findet in zwei Phasen statt. Die erste Phase wurde in den Projekträumen des Castel Belasi Museums, einem charmanten Schloss im Val di Non (Trentino), durchgeführt und brachte dank des Co-Kurators Lukas Willmann die aufstrebende Schweizer Szene mit der Wiener Szene zusammen.
Die zweite Etappe beginnt am Dienstag, 3. Februar, um 18 Uhr im unabhängigen Wiener Kunstraum am Schauplatz: eine internationale Gemeinschaftsausstellung, in der aufstrebende und etablierte Künstler mit echten Stars der Kunstwelt in Dialog treten.
Natur und Form durch Gefühl: Das ist der Schlüssel zum Verständnis der aufrichtigen und spontanen Ausdrucksformen der vielen Künstler, die eindeutig eine der vielen möglichen Auswahlen darstellen. Sie sind auch durch die Einzigartigkeit ihrer künstlerischen Ausdrucksformen verbunden, Werke, in denen persönliche, zeitgenössische und niemals banale Stile zu finden sind.
Die Ausstellung ist bis zum 14. März, von Mittwoch bis Freitag, von 16 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet und zeigt Werke, die die kraftvolle und geheimnisvolle Ästhetik der Natur widerspiegeln, wie die von Julius von Bismarck, Corinne L. Rusch, Pino Musi und Paulo Wirz, aber auch solche, die ihre Ausbeutung anprangern: Gianni Motti, Stefano Cagol und Byron Gago. Andere erzählen von der Marginalisierung derjenigen, die gezwungen sind, in der Natur zu leben, weil sie obdachlos sind, wie beispielsweise die Installation von g. olmo stuppia.
Viele Künstler zeigen hier elegante konzeptuelle Arbeiten: Una Szeemann, Alfredo Aceto, Maurizio Mercuri, Nanna Kaiser, Alessandro Rolandi und das Duo Hanakam & Schuller, aber es gibt auch eine starke junge und ironische Präsenz in der Diskussion über Natur in der Kunst, vertreten durch Cassidy Toner, Karin Ferrari, Kevin Carrozzo, George Rei und Costanza Giorgi. Schließlich werden die Materialien und Formen der Natur von Lisa Lurati, Luka Berchtold,
Sarah Rechberger, Andrina Jörg und Hugo Canoilas sowie in den tiefgreifenden und persönlichen Forschungen von Gaia Di Bello und Sandro Pianetti neu betrachtet und interpretiert.
Der Eintritt zur Ausstellung ist frei; die Ausstellung wird unterstützt von Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Fogarassy Privat Stiftung und dem Verein Kunstraum am Schauplatz.