It’s out there

Ana de Almeida
Dejan  Dukić


Vernissage 26. August 2026 
18:00-21:00 Uhr


Ausstellungsdauer
27. August - 24. September 2026




 nach Vereinbarung
+43 67761796678








„It’s Out There“ vereint Werke der in Wien lebenden Künstler Ana de Almeida und Dejan Dukić in ihrer zweiten, von Cornelis van Almsick initiierten Zusammenarbeit. Die Arbeiten der beiden Künstler erstrecken sich über den gesamten Raum des Kunstraums am Schauplatz und setzen sich gemeinsam mit der Frage auseinander: Wo beginnt eine Oberfläche? Wir betreten diesen Raum und suchen darin nach dem äußeren, sichtbaren Teil – oder dem Gesicht – eines Körpers. Dukićs Arbeiten entstehen aus einer intuitiven Auseinandersetzung mit der Rückseite des Bildes, die zugleich die Vorderseite bedingt. Durch die bewusste Bearbeitung einer Fläche formt sich auf der Kehrseite ein unbewusst hervorgebrachtes Gegenbild. Farbe wird durch die Leinwand hindurchmassiert; die Bildoberfläche entsteht somit als materieller Prozess. In der Wechselwirkung von Intention und Zufall, Bewusstsein und Unbewusstem, sucht Dukić nach dem eigentlichen Bild. Einem Bild, das sich im Prozess konstituiert.

Das Konzept des Entstehens als Wechselspiel zwischen den Begriffen Tiefe und Oberfläche zieht sich durch die Werke beider Künstler*innen in dieser Ausstellung. In de Almeidas Arbeiten liegt die Tiefe genau in der gemessenen Entfernung von der Oberfläche bis zum Grund eines Objekts. In „Flying Dogs“, einer Installation aus 130 handgefertigten Zementfliesen, einem gebundenen Druckwerk mit festem Einband und zwei Tageslichtprojektoren, setzt sich die Künstlerin mit dem Lehrerberuf und seiner Rolle als repräsentative Form weiblicher Arbeit sowie als Berufsfeld auseinander, um das sich die österreichische Frauenbewegung an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert drehte. Ebenso wie viele von Dukićs Gemälden entstehen auch die Oberflächen von de Almeidas Fliesen aus der Tiefe ihrer Rückseite. Beide Künstlerinnen nutzen einen „umgekehrten“ Arbeitsprozess, der die Materie durch den Druck ihrer Körper tatsächlich nach vorne treibt. „Fiegende Hunde“ entsteht durch einen Prozess der künstlerischen Aneignung und häuslichen Anpassung von Techniken der hydraulischen Fliesenherstellung, woraus sich eine Verflechtung der Immaterialität geschlechtsspezifischer Arbeit mit Versuchen ergibt, einen „glitchigen“ Modernismus zu materialisieren.

In „Brandungen – die Entstehung der Sprache aus dem Wasser" werden Tiefe und Oberfläche in einem eher literarischen Sinne verstanden. In dieser Zusammenarbeit mit Jakub Vrba und Christian Wimplinger taucht Ana de Almeida in den Fall der staatlich veranlassten Säuberung sozialdemokratischer Bibliotheken in Österreich im Jahr 1934 ein. Während die gezielte Zerstörung von Bibliotheken historisch gesehen meist mit der zerstörerischen Kraft des Feuers in Verbindung gebracht wird, übernahm im Fall der Arbeiterbibliothek in Ebensee für kurze Zeit das Wasser diese Rolle. Schätzungsweise 700 Bücher wurden in den Traunsee versenkt, tauchten jedoch wieder auf und wurden in deformiertem Zustand an das Ufer gespült. In dieser lesbaren Installation sind die vom Trio geschaffenen, buchförmigen Harzskulpturen Wiedergänger, die Archivdokumente, Wasserpflanzen, Fotografien, Schlamm, Klänge und Steine integrieren – allesamt Überreste des zivilen Konflikts, die die Erinnerung an den Traunsee an Land und in den Ausstellungsraum spült. Die Konzepte von Tiefe und Oberfläche werden durch einen Prozess der Remedialisierung hinterfragt, da Wasser als Träger von Erinnerung, als Urarchiv, das ideale Medium ist, um diese Koordinaten zu verstehen.

Text: Ana de Almeida