Ein Fleck - Aan’ Fleck


kuratiert von Peter Funken


Eröffnung 22. Mai 2021 16.00 bis 21.00 Uhr

zur Eröffnung spricht Walter Seitter
Frieder Butzmann spielt “39 Kleckse” live
Gereon Inger “Stempel-Performance”

Ausstellung vom 23. Mai bis 12. Juni 2021
Mi - Fr 15.00 bis 18.00 Uhr
oder nach Vereinbarung +43 681 81939710




Flecken sind fast wie Naturereignisse - plötzlich ist es passiert, das Malheur ist da ... ein Fleck auf der Hose oder Tischdecke – die kleine bürgerliche Katastrophe! Mit Flecken kennen wir uns alle aus, sind dafür Experten; und dann gab es sogar eine Kunstströmung, die nach ihm benannt wurde - der Tachismus in den 1950er Jahren, Flecken-Malerei, die aus Paris kam.

Die deutsche Sprache ist voller Flecken: auf der Seele, das Unbefleckte Empfängnis, man kommt nicht vom Fleck, der blinde Fleck, der blaue oder gelbe Fleck oder weiße Fleck, Wasserflecken, Totenflecken, Tinten- und Blutfleck, Flecksuppe, das Herz am rechten Fleck oder um mit Imanuel kant zu sprechen: „Die Lüge ist der eigentliche faule Fleck in der menschlichen Natur." und Robert Genazino meinte: Fremdheit ist wie das vergebliche Reiben an einem Fleck."

Es handelt sich um eine Ausstellung, die den Fleck sowohl als Kunst- wie auch Alltagsphänomene vorstellt und untersucht, denn Flecken sind seit jeher - Leonardo spricht davon - Inspirationsquelle für die Fantasie der KünstlerInnen, aber zugleich sind sie Bestandteil des Alltagswissens und Alltagskultur, denn mit dem Fleck auf der Hose oder auf der Tischdecke hat sich die kleinste Katastrophe bürgerlichen Lebens eingestellt. Eine ganze Industrie widmet sich der Entfernung von Flecken. Für viele sind Flecken ein Schrecken - sie sind unvorhersehbar und störend, aber zugleich schön und betörend. Flecken passieren, sie sind unvermeidlich, in ihnen steckt ein Stück des Chaos dieser Welt, ein anarchischer Moment und ein Plädoyer für das Unperfekte.

Auch sind Flecken dauernder Bestandteil der Sprache ... Flecken auf der Seele, Unbefleckte Empfängnis, man kommt nicht vom Fleck, der blinde Fleck, der blaue und der gelbe Fleck, Wasserflecken, Totenflecken oder der Tinten- und Blutfleck, die Flecksuppe, Man heißt keine Kuh bunt, sie habe denn einen Flecken, vom Fleck weg heiraten, rühr dich nicht vom Fleck, usw.

Flecken gehören zum Repertoire der Kunst - ohne sie gäbe es weder den Maler Klecksel von Wilhelm Busch, noch die Malerei des abstrakten Expressionismus, keine Klecksografien, wie sie der romantische Dichter und Arzt Justinus Kerner herstellte, noch die schrecklich schönen Jungfrauen-Flecken des Francis Picabia und Albrecht Dürer zeichnet einen Krankenfleck, mit dem er auf eine schmerzende Stelle zeigt. Auch in der Wissenschaft spielen Flecken eine Rolle - so etwa in der Psychologie beim Rorschach-Test oder bei der Verunreinigung von Computer-Chips. Flecken regen nicht nur auf, sie regen auch an ... Künstler, Fantasiebegabte und sogar seltsame Heilige, wie Therese Neumann, die aufgrund religiöser Ekstase am ganzen Körper Blutflecken bekam.

Der Beispiele sind sehr viele, und bemerkenswert an der Ausstellung ist auch, dass wir alle Expertinnen und Experten für das Thema sind. Dies verheißt große Medienöffentlichkeit, in Berlin sprang die Presse sehr gut auf die Ausstellungen an, die deshalb gut besucht waren.

Der Künstler Gereon Inger wird das Publikum mit seiner Stempel-Flecken Aktion unmittelbar beteiligen, denn es kann selber Bilder stempeln.

Peter Funken, Berlin

Fotos © Corinne L. Rusch